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12.07.2019

Vier Fragen an: Doris Neger

C: Neger/Foto Fischer, Graz

Das Freiwillige Ordensjahr gibt es in Österreich schon seit mehreren Jahren. Doris Neger hat daran im Kloster St. Elisabeth in Schaan bei den Anbeterinnen des Blutes Christi teilgenommen. Hier berichtet sie über ihre Erfahrungen.

Warum haben Sie ein „freiwilliges Ordensjahr“ gemacht?

Es war der starke innere Wunsch, einen Raum der Stille und des Gebets zu betreten. Mehr oder weniger "zufällig" bin ich dann über Umwege auf die Möglichkeit des "freiwilligen Ordensjahres" gestoßen. Parallel dazu hat sich ein Zeitfenster eröffnet. Davor lagen einige Jahre mit einem hohen beruflichen Engagement in anspruchsvollen Umfeldern. Ich war "rund um die Welt" und „rund um die Uhr“ unterwegs und irgendwie in meiner "Rolle" gefangen. Das führte mich schlussendlich in einen Zustand der Dauererschöpfung. Ohne dass ich es zunächst bemerkte. Die Zeit für einen Wandel war gekommen, ein sich Öffnen für Veränderungen und andere Wege. Die Zeit im Kloster war der Boden für eine bewusste Auseinandersetzung hin zu neuen Verhaltensweisen.

Wie haben Sie das Zusammenleben mit den Ordensleuten erlebt?

Weiblich. Bunt. Individuell. Engagiert. Stil- und respektvoll. Fürsorglich. Als mutiges, tägliches Miteinander durch sich verändernde Zeiten. Keineswegs konfliktfrei. Wie eben das Leben selbst. Meine „Begleitschwester“ hat mich großartig durch meine Ordenszeit geführt. 14tägige Orientierungsgespräche haben den Rahmen gebildet. Darüber hinaus hat sie mich aber auch einfach „sein“ lassen. Oft ist mir die Liebe begegnet: Sie war gegenwärtig … in verantwortungsvoller, ökologischer Kreislaufwirtschaft, frisch duftender Bettwäsche, vielen Frühaufsteherinnen, besonders festlichen Gottesdiensten, inhaltsreichen Gebetszeiten und täglichen Gesprächen. Aber auch in unserem Abtrocknen-Team, beim abendlichen Kartenspielen mit den älteren Schwestern (Schweißperlen auf meiner Stirne!), bei Lachsalven am Tisch, bei meditativen Spaziergängen rund um das Kloster, umgeben von einer prachtvollen Berglandschaft ...

Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung ist?

Zweifellos sind das die Tischgemeinschaften: Liebevoll gestaltete Gedecke, gesunde Mahlzeiten (häufig aus dem eigenen Garten) und lebhafter Austausch (in glücklichen, alltäglichen und traurigen Momenten). Das alles eingehüllt in eine gefühlte Atmosphäre der Dankbarkeit und gelebter Gastfreundschaft. Ein besonderer Höhepunkt war die Adventzeit mit persönlichen Tagesimpulsen von uns allen beim Abendessen, welche in eine kreative Gestaltung einer eigenen "Adventwand" mündete.

Was hat das Ordensjahr mit Ihnen „gemacht“?

Das wage ich jetzt noch gar nicht abzuschätzen. Auch einige Monate später wirkt alles noch nach. Jedenfalls habe ich inneren Frieden gefunden. Auch wenn der Sturm um mich tobt. Impulsgebend, wenn auch anstrengend, waren die Ordensjahr-Wochenenden. Die Begegnung mit anderen TeilnehmerInnen, jeder auf seinem Weg. So viele individuelle Lebenssituationen, ein persönliches „Ankommen“ in „passenden“ Ordensgemeinschaften. Was bleibt ist sicherlich die Erkenntnis, dass klösterliche Kernwerte von zeitloser Schönheit sind. Es ist der dahinter liegende Ewigkeitsgedanke verbunden mit hohem Engagement im Jetzt. Ich habe begonnen, mein Tempo zu drosseln, häufiger inne zu halten. Und mein Leben disziplinierter, gleichzeitig aber auch freier zu gestalten.