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18.09.2019

Vier Fragen an: Annika Tumbrinck

c: www.angelika-kamlage.de

Annika Tumbrinck hat ein vierwöchiges Praktikum in der Franziska-Schervier-Stube bei den Armen-Schwestern vom heiligen Franziskus in Aachen gemacht und in dieser Zeit im Kloster gelebt. im ordensjahr.de-Blog beantwortet Sie unsere Fragen:

Warum haben Sie sich entschieden, für einige Wochen im Kloster mitzuleben?

Ich habe mich dafür entschieden, ein vierwöchiges Praktikum im Kloster zu machen, weil ich das Leben in einer Ordensgemeinschaft kennenlernen wollte. Ich bin der Meinung, man sollte sich möglichst eigene Eindrücke verschaffen, sodass man sich auch seine eigene Meinung bilden kann und nicht von Gerüchten irregeführt wird.

Während der Zeit meines Aufenthalts habe ich bei der Obdachlosenarbeit geholfen, weil es mir wichtig war die Armut in unserer Gesellschaft kennenzulernen und bedürftigen Menschen zu helfen.

Wie haben Sie das Zusammenleben mit den Ordensleuten erlebt?

Ich habe mich während meines Aufenthalts im Kloster wirklich sehr wohl gefühlt und das lag bestimmt zu einem großen Teil an den liebenswerten Menschen. Ich wurde sehr herzlich von der Gemeinschaft aufgenommen und mir wurde die Gelegenheit gegeben, an Aktivitäten und Festivitäten teilzunehmen. Bevor ich die Schwestern kennenlernte hatte ich nur diffuse Vorstellungen vom alltäglichen Leben im Kloster. Ich dachte das Leben dort unterliegt strengeren Regeln, als es eigentlich der Fall ist. Zum Beispiel haben wir in der Freizeit gemeinsame Fahrradtouren gemacht und mir ist klargeworden, dass die Ordensschwestern sehr weltoffenen Menschen sind.

Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung ist?

Ich hatte die Möglichkeit an einem Samstagabend bei der wöchentlichen Brotanlieferung von einer Bäckereikette an das Kloster zu helfen. Das überschüssige Brot des Tages wird an die Ordensgemeinschaft gespendet, wo es für die Armenhilfe und den Eigenbedarf genutzt wird. Ich war sehr erschreckt, welch große Mengen an guten Lebensmitteln dort geliefert wurden, die sonst im Müll gelandet wären. Dieses Erlebnis hat mir vor Augen geführt, wie unverantwortlich wir mit unseren Lebensmitteln umgehen, während andere Menschen hungern müssen. Es hat mir aber auch gezeigt, dass die Schwestern sich solcher Probleme annehmen, nach Lösungen suchen und helfen, soweit es in ihrer Kraft steht. Und das hat mich, trotz der Traurigkeit der Sache, begeistert.

Was hat diese Zeit mit Ihnen „gemacht“?

Ich habe in dieser Zeit viele wertvolle Erfahrungen gesammelt. Das Zusammenleben mit den Schwestern hat mir den Einblick in eine andere Lebensweise ermöglicht, die einem sonst eher verborgen bleibt. Besonders die Arbeit mit den Obdachlosen hat mir viel zu denken gegeben. Die Armut, die wir auch hier in Deutschland haben, ist mir dadurch bewusster vor Augen getreten. Es ist mir wichtig, solche Probleme in unserer Gesellschaft kennenzulernen, damit ich mein Leben bewusster führen kann und somit hoffentlich zur Lösung bzw. Verbesserung dieser Probleme beitragen kann.

12.08.2019

Vier Fragen an: Lea Fränzle

C: Sr. Susanna Fieglmüller SSM

Lea Fränzle hat ein Freiwilliges Ordensjahr bei den Schwestern der schmerzhaften Mutter in Wien gemacht und sich währenddessen Zeit genommen, für den ordensjahr.de-Blog unsere Fragen zu beantworten.


Warum machen Sie ein „freiwilliges Ordensjahr“?

Beworben habe ich mich vor allem aus einer Faszination für das Phänomen Ordensleben heraus. Ordensleute hatte ich als wache Menschen erlebt, bei denen die Offenheit für und das Leben in der heutigen Zeit und die Verankerung in ihrer Tradition eine fruchtbare Spannung ergibt und von denen ich lernen kann. Außerdem wollte ich ausprobieren, was es mit dem eigenen Glauben und Zweifeln macht, in Gemeinschaft und mit einer verbindlichen Struktur zu beten.

Wie erleben Sie das Zusammenleben mit den Ordensleuten?

Ich bin herzlich aufgenommen worden und wurde als Teil der Gemeinschaft behandelt. In der Gemeinschaft zählt, dass jede sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten einbringt, von der Gestaltung der Gebetszeiten über die Tischgespräche bis zum Abwasch danach. Ich hatte jederzeit die Möglichkeit, Fragen zu stellen und auch persönliche Fragen, beispielsweise nach den Berufungsgeschichten oder Glaubenszweifeln der Schwestern, wurden sehr offen beantwortet. Umgekehrt waren die Schwestern an meinen Wahrnehmungen interessiert und haben das Einbringen der eigenen Perspektive auch explizit eingefordert.

Natürlich führen die große Altersspanne in der Gemeinschaft, verschiedene Lebenswelten und die Eigenheiten jeder Einzelnen gelegentlich zu Spannungen, aber es war ein großes Bemühen um einen feinen Umgang miteinander und eine klare Kommunikation spürbar.

Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung ist?

Viele kleine. Ars pro toto:

Donnerstagabend ist in der Regel ein Bibelgespräch zum Evangelium des folgenden Sonntages. Nach der Lesung und einer Zeit der Stille sagen alle, was sie zu der jeweiligen Stelle denken, was sie berührt hat, welche Fragen sie an den Text haben. Eine junge Juristin, die auch in der Gemeinschaft mitlebt und ich haben uns auf grammatikalische Feinheiten gestürzt, wenn-dann-Beziehungen analysiert; am Ende blieben viele Fragen. Das haben die Schwestern ernst genommen, mit uns diskutiert und vor allem auch ihre Lesart des Textes beigetragen. Wo wir mit dem Kopf herangegangen sind, haben sie - so kitschig das klingen mag - mit dem Herzen gelesen und dabei eine Weisheit aufscheinen lassen, vor der ich nur staunen konnte.

Was "macht" das Ordensjahr mit Ihnen?

Die Zeit im Kloster hat meinen Horizont geweitet. Ich hatte viel Raum zur Reflexion, dadurch habe ich mich selber besser kennenlernen und an mir arbeiten können. Die Gemeinschaft wirkt als Korrektiv und Unterstützung in dieser Entwicklung: zum Beispiel musste ich lernen, in meiner Kommunikation auf die älteren Schwestern einzugehen, damit auch eine Schwester Mitte 70 versteht, was ich ihr am Computer erkläre. Die Struktur gibt einen Rahmen vor, der nicht wie zuerst befürchtet einengt, sondern mir geholfen hat, disziplinierter zu werden. Meine Noten dieses Semester zeugen davon. Außerdem hatte ich Gelegenheit, über den Glauben nachzudenken und ganz selbstverständlich mit anderen darüber zu sprechen. Ich zweifle jetzt nicht weniger als vorher, aber habe einige neue Zugänge und Gebetsformen kennenlernen dürfen und einen Einblick in franziskanische Spiritualität bekommen.

Das FOJ erfordert Offenheit und ein Sich-Einlassen auf Dinge, die einem erstmal fremd erscheinen. Wenn man dazu bereit ist, kann man unheimlich viel entdecken. Neben einer ausgeprägten Vorliebe für österreichische Mehlspeisen und ein gewachsenes liturgisches Empfinden nehme ich vor allem viele gute Erinnerungen mit.

24.07.2019

Vier Fragen an: Curt Cheauré

C: Dr. Curt Chauré

Dr. Curt Cheauré hat nach seinem aktiven Berufsleben ein freiwilliges Ordensjahr absolviert und war für ein halbes Jahr bei den Salvatorianern in Wien zu Gast. Im ordensjahr.de-Blog beantwortet er unsere Fragen und erzählt von seiner Zeit im Kloster.

Warum haben Sie ein „freiwilliges Ordensjahr“ gemacht?

Nach 40 Jahren als hauptberuflicher Religionslehrer an einem gewerblichen Berufsbildungszentrum in Würzburg bin ich im letzten Sommer in den Ruhestand getreten. Gerne wollte ich neben meinen familiären Einbindungen als Vater und Großvater mich noch ein wenig im kirchlichen Bereich einbringen. So habe ich mich für eine FOJ-Zeit beworben und durfte von Ende September 2018 bis Palmsonntag 2019 ein gutes halbes Jahr bei den Salvatorianern in St. Michael in Wien mitleben und mitarbeiten.

Wie haben Sie das Zusammenleben mit den Ordensleuten erlebt?

Entspannt, kooperativ, abwechslungsreich, bereichernd, rücksichtsvoll, mit einer guten Balance von Einbindung und persönlichem Freiraum. Ich glaube, wir haben es jeweils als eine win-win- Situation gesehen.

Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung ist?

Gleich am ersten Tag durfte ich eine Fotografin für zwei Stunden in die Michaeler Gruft, eine große, historische Grablege in der Unterkirche, begleiten, um ihr bei Fotoaufnahmen als Beleuchter zur Seite zu stehen.

Aber ich durfte auch einmal wöchentlich im Quo Vadis?, dem Begegnungszentrum der österreichischen Ordensgemeinschaften, mithelfen, hatte vielfältige, kleine Aufgaben im Bereich der Kirche, durfte im Ordensarchiv mitarbeiten, an Fortbildungen teilnehmen und ein SDS Kloster in Temesvár in Rumänien besuchen.

Was hat das Ordensjahr mit Ihnen „gemacht“?

Es hat mir - wie erwartet - verdeutlicht, dass es im dritten Lebensabschnitt noch genug Aufgaben und Herausforderungen gibt. DEO volente darf ich im kommenden Herbst wieder bei den Salvatorianern mitarbeiten.

12.07.2019

Vier Fragen an: Doris Neger

C: Neger/Foto Fischer, Graz

Das Freiwillige Ordensjahr gibt es in Österreich schon seit mehreren Jahren. Doris Neger hat daran im Kloster St. Elisabeth in Schaan bei den Anbeterinnen des Blutes Christi teilgenommen. Hier berichtet sie über ihre Erfahrungen.

Warum haben Sie ein „freiwilliges Ordensjahr“ gemacht?

Es war der starke innere Wunsch, einen Raum der Stille und des Gebets zu betreten. Mehr oder weniger "zufällig" bin ich dann über Umwege auf die Möglichkeit des "freiwilligen Ordensjahres" gestoßen. Parallel dazu hat sich ein Zeitfenster eröffnet. Davor lagen einige Jahre mit einem hohen beruflichen Engagement in anspruchsvollen Umfeldern. Ich war "rund um die Welt" und „rund um die Uhr“ unterwegs und irgendwie in meiner "Rolle" gefangen. Das führte mich schlussendlich in einen Zustand der Dauererschöpfung. Ohne dass ich es zunächst bemerkte. Die Zeit für einen Wandel war gekommen, ein sich Öffnen für Veränderungen und andere Wege. Die Zeit im Kloster war der Boden für eine bewusste Auseinandersetzung hin zu neuen Verhaltensweisen.

Wie haben Sie das Zusammenleben mit den Ordensleuten erlebt?

Weiblich. Bunt. Individuell. Engagiert. Stil- und respektvoll. Fürsorglich. Als mutiges, tägliches Miteinander durch sich verändernde Zeiten. Keineswegs konfliktfrei. Wie eben das Leben selbst. Meine „Begleitschwester“ hat mich großartig durch meine Ordenszeit geführt. 14tägige Orientierungsgespräche haben den Rahmen gebildet. Darüber hinaus hat sie mich aber auch einfach „sein“ lassen. Oft ist mir die Liebe begegnet: Sie war gegenwärtig … in verantwortungsvoller, ökologischer Kreislaufwirtschaft, frisch duftender Bettwäsche, vielen Frühaufsteherinnen, besonders festlichen Gottesdiensten, inhaltsreichen Gebetszeiten und täglichen Gesprächen. Aber auch in unserem Abtrocknen-Team, beim abendlichen Kartenspielen mit den älteren Schwestern (Schweißperlen auf meiner Stirne!), bei Lachsalven am Tisch, bei meditativen Spaziergängen rund um das Kloster, umgeben von einer prachtvollen Berglandschaft ...

Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung ist?

Zweifellos sind das die Tischgemeinschaften: Liebevoll gestaltete Gedecke, gesunde Mahlzeiten (häufig aus dem eigenen Garten) und lebhafter Austausch (in glücklichen, alltäglichen und traurigen Momenten). Das alles eingehüllt in eine gefühlte Atmosphäre der Dankbarkeit und gelebter Gastfreundschaft. Ein besonderer Höhepunkt war die Adventzeit mit persönlichen Tagesimpulsen von uns allen beim Abendessen, welche in eine kreative Gestaltung einer eigenen "Adventwand" mündete.

Was hat das Ordensjahr mit Ihnen „gemacht“?

Das wage ich jetzt noch gar nicht abzuschätzen. Auch einige Monate später wirkt alles noch nach. Jedenfalls habe ich inneren Frieden gefunden. Auch wenn der Sturm um mich tobt. Impulsgebend, wenn auch anstrengend, waren die Ordensjahr-Wochenenden. Die Begegnung mit anderen TeilnehmerInnen, jeder auf seinem Weg. So viele individuelle Lebenssituationen, ein persönliches „Ankommen“ in „passenden“ Ordensgemeinschaften. Was bleibt ist sicherlich die Erkenntnis, dass klösterliche Kernwerte von zeitloser Schönheit sind. Es ist der dahinter liegende Ewigkeitsgedanke verbunden mit hohem Engagement im Jetzt. Ich habe begonnen, mein Tempo zu drosseln, häufiger inne zu halten. Und mein Leben disziplinierter, gleichzeitig aber auch freier zu gestalten.